DIE DRITTE KAMMER - KUNSTHERZ (Düsseldorf 1996)


"Camouflage", sagt man, käme der Natur gelegen, wenn ihr das Risiko zu hoch erscheine, entdeckt zu werden. Einkleidungen in schöne Gewänder aus grünen Üppigkeiten, aus greller Eleganz oder erdigen Tönen seien ihr sicherer Zufluchtsort vor detektivischer Neugier von Botanikern, Biomimetikern und anderen Eindringlingen. Hinter all dem Spiel mit der Schönheit aber verberge sie ihr wahres Gesicht: Grausamkeit. Diese Janusköpfigkeit läge allen natürlichen Phänomenen zugrunde, betrachte man sie ohne rousseausches Sehnen. Der Natur ein gutes oder schreckliches Wirken zuzuschreiben, ist Moden unterworfen, wie es alle kulturellen Belange sind. Heute sehen wir die Haltungen Rousseaus und de Sades als zwei Seiten ein und derselben Medaille und stören uns kaum an den Paradoxien, die in ihren unterschiedlichen Gedankenwelten aufscheinen.Unser Verhältnis zur Natur ist daher von der einschneidenden Erkenntnis geprägt, daß das, was wir Natur nennen, schon viele Male "kultiviert" worden ist und sich somit wieder selbst relativieren muß.